Selbstverständnis des CSD Wuppertal

Der CSD Wuppertal ist queerpolitisch, nicht-kommerziell und wird von einer basisdemokratischen Bündnisgruppe organisiert. Wir sind ein Bündnis aus Einzelpersonen, die in verschiedenen Kontexten gemeinsam queere politische Arbeit leisten und teilweise in Vereinen und Initiativen in Wuppertal aktiv sind. In der Vergangenheit sowie auch in der Gegenwart und Zukunft pflegten bzw. pflegen wir auf verschiedene Arten eine Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle der Stadt.

Unser CSD ist in erster Linie eine queerpolitische Veranstaltung mit Demonstration, bei der wir unsere Vielfalt auf der Straße sichtbar machen und Raum einnehmen wollen. Zusätzlich dienen die Kulturwochen „Queer durchs Tal“ im Vorfeld des CSDs zur Sichtbarmachung von queeren Perspektiven und als ein vielfältiges Angebot für Informationen, Austausch und Vernetzung.

Wir stehen klar gegen Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus, LSBTIAQ-Feindlichkeit. Auch Altersdiskriminierung und Bodyshaming haben bei uns keinen Platz. Wir bekämpfen diese Formen der Marginalisierung aktiv und arbeiten stetig daran, unsere Veranstaltungen für Betroffene so zugänglich und barrierearm wie möglich zu gestalten. Dabei erkennen wir an, dass es (gerade im öffentlichen Raum) nicht möglich ist, strukturelle Gewalt völlig aufzuheben. Wir wollen jedoch gemeinsam Räume schaffen, in denen die verschieden positionierten Mitglieder unserer Communities, ihrer Allies / Verbündeten gemeinsam möglichst sicher sein können. Dies beinhaltet für uns eine klare Parteilichkeit mit Betroffenen und einen möglichen Ausschluss bei Fehlverhalten.

Wir verstehen uns als antifaschistisch – sowohl mit Bezug auf die historische Verfolgung und Ermordung queerer Personen unter der NS-Diktatur als auch mit Blick auf die aktuelle Bedrohung durch faschistische, menschenverachtende Ideologien in Deutschland, Europa und weltweit. Wir setzen uns daher konsequent gegen antidemokratische Bewegungen ein.

Wir verstehen uns als queerfeministisch. Queer bedeutet für uns ein kritisches Hinterfragen und Aufbrechen von normativen Vorstellungen von Geschlecht, Sexualität, Begehren und Beziehungen. Queer beschreibt für uns die Perspektive von Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität in einer hetero-, cis- und endonormativen Gesellschaft marginalisiert werden. Queer ist für uns eine Haltung und eine politische Praxis, die sich gegen Diskriminierung, Ausschlüsse und starre Kategorien stellt, Intersektionalität mitdenkt und vielfältige Identitäten, Körper und Begehrensformen sichtbar macht. Dabei setzen wir uns für Selbstbestimmung, Solidarität, Respekt und Gerechtigkeit ein.

BIPoC trans* Personen haben eine zentrale Rolle in der Geschichte und Gegenwart queerer Communities. Insbesondere Schwarze trans* Frauen, trans* Frauen of Color und gendernonkonforme Personen waren, meist aus der Kink-, Sexarbeits- und Subkultur, maßgebliche Vorkämpfer*innen für queere Rechte. Gerade zu Zeiten von Stonewall haben sie Widerstand gegen staatliche Gewalt, Polizeirepression und gesellschaftliche Ausgrenzung organisiert und damit Grundlagen für heutige queere Bewegungen geschaffen. Ihre Kämpfe, Perspektiven und ihr Wissen sind bis heute unverzichtbar, werden jedoch häufig marginalisiert oder unsichtbar gemacht. Queere Solidarität bedeutet daher auch, diese Geschichte anzuerkennen, BIPoC trans* Personen zuzuhören und ihre Stimmen ins Zentrum zu stellen.

Im Bewusstsein um die vielfältigen historischen queeren Kämpfe für die Rechte marginalisierter Personen, auf die schon der Name des Christopher-Street-Day verweist, wollen wir diesen Tag und die Kulturwochen „Queer durchs Tal“ nutzen, um aus unseren Communities politische Forderungen zu formulieren, die kommerzielle oder parteipolitische Interessen überschreiten: das Private ist politisch und unser CSD ist eine politische Demonstration.

Wir begrüßen den Einsatz für die Rechte und gegen die Diskriminierung queerer Personen, wollen jedoch nicht, dass der CSD zu einer parteipolitischen Werbeveranstaltung wird. Im Rahmenprogramm des CSD streben wir Austauschformate an, bei denen wir uns wünschen, mit allen demokratischen Parteien ins Gespräch zu kommen. Auf der Demo sind Parteifahnen und –banner sowie Nationalflaggen und Flaggen von Gruppierungen, die zentralistisch organisiert sind, grundsätzlich nicht erlaubt. Wir freuen uns über parteineutrale Banner, Flaggen und Transpis mit queeren, queerfeministischen, antirassistischen und antifaschistischen Botschaften. Das Verteilen von eigenen Informationsmaterialien (Flyer, Zeitungen etc.) ist nur nach vorheriger Absprache mit dem CSD Wuppertal zugelassen. Bei Missachtung behalten wir uns vor, die betreffende Gruppe oder Privatperson auszuschließen sowie weitere Maßnahmen einzuleiten.

Als Wuppertaler CSD ist uns die Anbindung an lokale und regionale Strukturen wichtig. Wir bemühen uns, andere Initiativen aus dem Wuppertaler Raum einzubeziehen, nach Möglichkeit Künstler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen aus der Region einzuladen. Wir streben eine lokale und regionale Vernetzung in NRW an, insbesondere mit den Akteur*innen im Bergischen Land.

Der CSD Wuppertal finanziert sich durch Spenden, Sponsoring und Förderung auf kommunaler sowie Landesebene. Wir sind uns der Abhängigkeit, die dadurch entsteht, bewusst. Wir streben eine Transparenz über unsere Förder*innen über unsere digitalen Kanäle an.

Offizielle Fotograf*innen des CSD Wuppertal werden von uns gekennzeichnet. Wir möchten die Persönlichkeitsrechte und Sicherheit aller Privatpersonen bestmöglich schützen. Dazu gehört das Unkenntlichmachen der Gesichter auf unseren Fotos, wenn nicht vorab anders mit den posierenden Menschen besprochen. Wir bitten Privatpersonen darum, dies uns gleich zu tun oder eine Einwilligung der Betroffenen einzuholen. Die Nutzung von Smart Glasses ist Untersagt. Bei Missachtung behalten wir uns vor, die betreffende Person auszuschließen sowie weitere Maßnahmen einzuleiten.

Das Bündnis ist offen für neue Mitglieder – Interessierte melden sich am besten frühzeitig per E-Mail (helfen@csd-wuppertal.de) oder über unseren Instagram-Kanal.

Stand 21.08.2026